Kurzauszug aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bischberg

Zu allen Zeiten haben die Menschen versucht der Naturgewalt des Feuers Herr zu werden. Feuerhaken, Feuerpatschen, Sand und Wasser blieben viele Jahrhunderte die bescheidenen Möglichkeiten der Brandbekämpfung. Während sich in den größeren Städten sogenannte Feuerlöschgemeinschaften, durch die Zünfte organisiert, schon im Mittelalter bildeten, standen die Menschen kleinerer Gemeinden der Macht des Feuers oft hilflos entgegen. Dort musste man sich häufig darauf beschränken den Zustand der Feuerstätten und Öfen immer wieder bei den Dorfgenossen anzumahnen und vor sorglosem Umgang mit Feuer und Licht zu warnen. So steht in der Dorfordnung vom 20.11.1722, die der Abt des Klosters Michelsberg Christoph Ernst Freiherr von Guttenberg für Bischberg erlassen hatte:
"Soll kein Gewürk (Gewerbe) in die Stuben gelegt werden, auch keiner bei nächtlicher Weile mit einem offenen Spanlicht über die Gassen gehen bei vier Pfund Straf".
Der Ruf "Feurio", die Hornsignale der Türmer, das Geläute der Feuerglocken oder Signalschüsse lösten stets Schrecken und Verwirrung aus. So offenbarte sich jedenfalls die Ohnmacht der Menschen gegenüber der Macht des Feuers. Wie heißt es doch so treffend in der Glocke von Friedrich Schiller.
"Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, Und was er bildet, was er schafft, Das dankt er dieser Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft".
Weit zurück lassen sich die Bestreben der "Obrigkeit" verfolgen organisierte Feuerordnungen und Feuerwehren aufzubauen. So schrieb der Bamberger Fürstbischof Philipp Valentin Voit von Rieneck in der von ihm erlassenen Feuerlöschordnung vom 15.10.1662: "Es war dies keineswegs die erste, die, erlassen wurde". In einem im Jahre 1857 im Bamberger Tagblatt erschienen Artikel wird im Zusammenhang mit einem Brand in der Brauerei Zehender in der oberen Königstraße auf die unhaltbaren Zustände der bisherigen "Feuerkünste" hingewiesen.
Im Königreich Bayern wurde die Gründung der Feuerwehren - auf freiwilliger Basis - mit großem Nachdruck vorangetrieben. Unzählige Erinnerungsschreiben füllen die Feuerwehrakten im Bamberger Staatarchiv. So heißt es in einem Brief des Bezirksamtes Bamberg II. vom 22.11.1872 an den Landesausschuss der bayerischen Feuerwehren in München:
"Auf die Eingabe vom 18.11.1872 beehrt man sich mitzutheilen, daß im diesseitigen Bezirksamt freiwillige Feuerwehren und zwar in Aschbach, Bischberg, Burgebrach, Burgwindheim, Ebrach, Gaustadt, Mönchherrnsdorf, Stegaurach und Walsdorf bestehen und daß in Frensdorf, Pettstadt, Trunstadt, Tütschengereuth solche zur Zeit in Gründung begriffen sind."
Am Mittwoch, dem 08.02.1871 hatten sich etwa 50 bis 60 verantwortungsbewusste Dorfbewohner, Bauern, Gütler, und Handwerker zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bischberg sehr wahrscheinlich im Oberen Schloß zusammengefunden. Die umfangreiche Liste der Verwaltung, der Steiger, der Spritzenmänner, der Retter, der Anspänner und Feuerläufer gleich zu Beginn lässt vermuten, dass die Gründung planmäßig vorbereitet war.
Im Übrigen wissen wir aus gesicherten Quellen, dass in Bischberg schon weit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr eine gut organisierte Löschgemeinschaft bestand. So tat sich diese Bischberger Feuerwehr schon im Jahre 1839 bei einem verheerenden Brand der unteren Bamberger Mühlen besonders hervor. Unter den verschiedenen Vereinen, die in Bischberg im Laufe des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, nimmt die Freiwillige Feuerwehr eine äußerst ehrenvolle Stellung ein, da sich ihre Mitglieder ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein auferlegten und sich uneigennützig in den Dienst reiner Nächstenliebe stellten. Wenn es uns gelingt, die Ideale christlicher Nächstenliebe, die in den Herzen unserer Vorfahren verankert waren, an die Jugend unserer Tage weiterzugeben, dann lebt der Wahlspruch unserer Feuerwehren fort:
"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"!
gez. Philipp Hümmer
Archivar der Gemeinde Bischberg a.D.
Verzeichniß der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bischberg
Bei heutiger Versammlung wurde durch aclamation Abstimmung folgende Verwaltung gewählt.
1. Vorstand Held Leonhard, Bürgermeister
2. Hauptmann Kröner Georg, Beigeordneter
3. Adjutant u. Schriftführer Knoblach Johann, Kaufmann
4. Kassier Wachtel Julius, Hopfenhändler
5. Zeugwart Leicht Johann, Gastwirth
6. Zugführer bei Steigern Christmeyer Michael
7. Zugführer bei Retter Frank Philipp, Gastwirth
8. Spritzenmänner Zugführer Kröner Martin
9. Spritzenmeister Eidenbach Peter, Schwappach Baptist
10.Ersatzleute Eidenbach Georg, König Joseph
Bischberg, den 18. Januar 1871
Vorstand Leonhard Held, Bürgermeister
Hauptmann Georg Kröner, Beigeordneter
a I. Steiger:
Christmeyer Michael, Zugführer
Zimmermann Baptist
Loch Georg
Haupt Johann
Stretz Johann
Zimmermann Andreas
Ersatzleute:
Ernst Georg
Ott Michael
Stenglein Georg
Zimmermann Ferdinand
Hemmerlein Johann
b II. Spritzenmänner:
Ihre Summa 90 Mann, welche ein Theil verwendet werden zum Wasser herbeischaffen.
c III. Retter:
Frank Philipp, Zugführer
Kröner Johann
Amon Valentin
Fleischmann, Lehrer
Fränkel, Lehrer
Held Adam
Steinmetz, Lehrer
Kröner Andreas
Knoblach Johann senior
Zimmermann Jakob
Frank Adam
Wolfenstein Wolf
Frey Baptist
Eidenbach Heinrich
Landecker Alexander
Strauß Löb
Fleischmann Maier
Held Joseph
Wachtel David
Schuhmann Friedrich
Goldmann Jakob
Bundle Johann
Landecker Emanuel
Schneider Friedrich
Ernst Joseph
Kröner Joseph
d IV. Anspänner:
Held Leonhard 2 Pferd
Ley Johann 2 Pferd
Knorr Adam 2 Pferd
Frey Baptist 1 Pferd
Knoblach Johann 1 Pferd
Frey Peter 1 Pferd
Haßfurther Georg 1 Pferd
e V. Feuerläufer:
Leibig Andreas
Ley Carl
Sailer Joseph
Krebs Johann
Auszug aus dem Buch
"Alt-Bamberg, Rückblicke auf Bambergs Vergangenheit"
Jahrgang 1897/98 mit dem Untertitel aus der "Chronik der Bamberger Mühlen", welcher besonders fpr den Feuerschutz in Bischberg und für die Zeit vor dem Vorhandensein einer Freiwilligen Feuerwehr von Interesse ist:
"Die unteren Mühlen (Anmerkung: Bischofsmühle, Sterz´sche Mühle, Huth´sche Mühle, vormals Leibel´s Mühle, usw.) sind im Jahre 1939 und zwar am 16.12. von einer Feuersbrunst zum großen Theile zerstört worden. Bis dorthin waren die Gebäude dieser mühlen geringes Fachwerk und "Holzkästen", die massiveren heutigen Gebäude wurden erst nach jenem Brande errichtet, wie auch eine Tafel an der Huth´schen Mühle angezeigt.
"Neuerbaut von Ludwig Vogtherr 1840".
Das Feuer ist damals am Morgen nach 4 uhr in der Leibel´s Stadtmühle ausgebrochen, wie es hieß durch Unvorsichtigkeit eines Mühlgesellen Namens Schmidt, der auch in den Flammen seinen Tod gefunden hat.
Noch wissen Augenzeugen jenen Brandes zu erzählen, daß die Feuersbrunst die größte, gefährlichste und grausigste, die je in der Stadt wühtete, gewesen sei. Erklärlich: die leicht gebauten Mühlenhäuser, Getreide, Mehl, Kleie, Hirsenspreu und dergl. gaben dem Element reichlich, rasch vernichtbare Beute.
Das k. Salzamtsgebäude (heute Schuster´sches Anwesen in der Geyerswörthstraße) war schon von den Flammen ergriffen, konnte aber durch energisches Zusammengreifen der Bevölkerung, des Militärs und der mit ihren "Feuerkünsten" raschest herbeigeeilten Hallstadter und Bischberger Nachbarn gerettet werden. Den Hallstadtern wurde besonders öffentlicher Dank ausgesprochen und über die Bischberger berichtet eine Aufzeichnung eines betheiligten Müllermeisters, daß sie bei der in einem Doppelkahn verladenen Feuerkunst das menschenmöglichste geleistet haben. Diese Leistung mit einer feuerspritze vom Kahn aus hatte später die Anregung einer derartigen Wasserfeuerwehrabtheilung zu Folge"
Diese Zeitungsnotiz, die aus dem Jahre 1839 stammt und später zu einem Buch zusammengefasst wurde, ist für den Chronisten der Bischberger Feuerwehr in mancherlei Hinsicht von großer Bedeutung:
1. Die Bischberger verfügten schon um 1839 über eine Feuerspritze,
2. Schon um diese Zeit gab es in Bischberg ein in gewisser Weise organisiertes Feuerschutzwesen.
3. Die Montage der Feuerspritze auf einem Kahn war selbst für unsere Nachbarn in der Stadt neu und fand später bei einer "Bamberger Wasserfeuerwehrabteilung" Nachahmung.
Der Einfallsreichtum der rühmlichen Vorfahren der Bischberger Feuerwehr verdient auch heute noch Bewunderung.